Modular Synthesis (WWW-Workshop)


STEP 5

Signalverarbeitung




Waveshaping

Waveshaping bedeutet: die Form einer Klangwelle (Sägezahn, Sinus, Rechteck etc.) gezielt zu verändern.
Das hat auch (elektronik-)musikhistorisch eine gewisse Bedeutung, und zwar die Einteilung von Synthesizern und der entsprechenden Musik in "east-coast" und "west-coast".
Nur kurz angerissen: Der Moog Synthesizer ist ein klassischer "Eastcoast-Synthesizer". Die Änderung der Klangfarbe erfolgt in der Regel über einen oder mehrere spannungsgesteuerte Filter (VCF) mit entsprechender Resonanz.
Buchla-Synthesizer sind typische "west-coast"-Synthesizer. Hier wird die Klangfarbe zwar auch per Filter, aber lieber noch über Änderungen der Wellenform (Waveshaping) des Oszillators bestimmt.
Letztlich hat sich east-coast ehr durchgesetzt. Das führte dazu, dass die VCO's einfach mehrere Wellenformen anbieten (Sägezahn, Rechteck, Dreieck, Sinus). Manche VCO's erlauben sogar ein Überblenden der Wellenformen.
Um aber richtig wilde Änderungen der Wellenform zu erzeugen, sind kompliziertere Schaltungen nötig. Diese ermöglichen nicht nur das Überblenden zweier Wellenformen sondern auch das Verstärken, Falten und Verdrehen. So kann aus einem Sinus ein Rechteck, ein wildes Zickzackmuster oder andere Muster erzeugt werden.




Ringmodulator

Ringmodulatoren arbeiten mathematisch gesehen recht einfach: aus zwei Signalen X und Y wird das Produkt (XY) erzeugt. So einfach sich das anhört, so wundervoll sind die akustischen Ergebnisse der Mulitplikation z.B. eines Sprachsignals mit einem Sinussignal.

Erstmal das Original :

Dabei spielt natürlich die Frequenz des Sinussignal eine wesentliche Rolle.
X = 100 Hz Sinus, Y = Sprache


X = 1000 Hz Sinus, Y = Sprache


und : X = 1000 Hz Rechteck, Y = Sprache



Also Schritt für Schritt von Anfang an: Das einfachste Beispiel ist die Multiplikation zweier Sinussignale. Macht man das mit zwei Sinuswellen der gleichen Frequenz (440Hz im Beispiel) ertönt ein Sinussignal mit doppelter Frequenz (mathematisch alles gut darstellbar):


Probier das Ganze mal mit ein paar Noten auf der E-Gitarre !!! (zuerst trocken, dann mit Ringmodulator). Hier wurde nur das E-Gitarrensignal geteilt und in die 2 Eingänge des Ringmodulators gespeist.


Nimmt man zwei Sinussignale unterschiedlicher Frequenz, ergeben sich 2 gemischt Sinussignale :


Es gibt ein paar hörenswerte Beispiele für die Verwendung eines Ringmodulators :

Die LP "Bley-Peacock Synthesizer Show" von Annette Peacock und Paul Bley verwendet vor allem im Song "A Loss Of Consciousness" intensiv den Ringmodulator für Annettes Gesang.
Bei Youtube kann man reinhören, gleich das erste Lied !!!

Oskar Sala verwendete ebenfalls hin und wieder den Ringmodulator, bestes Beispiel ist die Komposition "Rede des toten Christus vom Weltgebäude herab, dass kein Gott sei". Der Text (von Jean Paul aus Siebenkäs 1796) wird vom Ringmodulator mit diversen Frequenzen verzerrt. Es spricht : Friedrich Schönfelder.
Wer will, kann sich auch das bei Youtube anhören !


Rückkopplung

Im Step 4 beim Thema Mixer ist es schonmal aufgetaucht, die Rückkopplung bzw. Feedback.
Diese typischen Rückkopplungen bei einem Live-Konzert oder wenn nutzlose Reden gehalten werden, enstehen ganz einfach : das Signal vom Mikrofon wird mit wenigen Mikrosekunden Zeit-Versatz an die Lautsprecher geschickt. Das Mikrofon